EZB senkt Leitzins auf 2,5%! Warum die Zinsen für Immobilienkredite wahrscheinlich trotzdem nicht sinken werden
Die EZB senkt den Leitzins: Was steckt dahinter?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat es offiziell gemacht: Der Leitzins wurde auf 2,5% gesenkt. Diese Entscheidung ist ein bedeutender Schritt in der Geldpolitik, insbesondere für alle, die den Kauf oder Bau einer Immobilie finanzieren wollen. Aber bedeutet das automatisch, dass Immobilienkredite jetzt günstiger werden? Lassen Sie uns die Hintergründe dieser Zinssenkung genauer betrachten.
Nachdem die Inflation in der Eurozone zuletzt gesunken ist und die Konjunktur weiterhin schwächelt, hat der EZB-Rat beschlossen, den Einlagensatz um ein Viertelprozentpunkt zu senken. Dies ist bereits der sechste Zinsschritt nach unten seit Sommer 2024. In den vergangenen Jahren hatte die EZB die Zinsen drastisch erhöht, um die hohe Inflation einzudämmen. Nun, da sich die Inflation stabilisiert hat, sieht die EZB wieder Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik.
Besonders im Immobiliensektor ist die Kreditnachfrage stark gesunken, da die Bauzinsen seit 2023 teilweise über 4% lagen. Die Zinssenkung könnte Kredite nun wieder attraktiver machen, doch die Frage bleibt: Sinkt dadurch automatisch der Zinssatz für Immobilienkredite?
Warum die Bauzinsen nicht automatisch fallen
Obwohl der Leitzins gesenkt wurde, hat dies keinen direkten und unmittelbaren Einfluss auf die Bauzinsen. Banken kalkulieren langfristig und preisen Zinssenkungen oft schon im Voraus in ihre Konditionen ein. In der Praxis bedeutet das, dass Immobilienkredite zwar etwas günstiger werden könnten, aber nicht in dem Maße, wie es viele erhoffen. Erste vorsichtige Prognosen deuten darauf hin, dass Bauzinsen in Richtung 3,5% fallen könnten, aber die Entwicklungen bleiben abzuwarten.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Nachfrage: Wenn Kredite wieder attraktiver werden, steigt die Anzahl der Käufer auf dem Immobilienmarkt. Dies könnte zu steigenden Immobilienpreisen führen, sodass die Einsparungen durch niedrigere Zinsen letztlich von höheren Kaufpreisen aufgezehrt werden.
Darüber hinaus profitieren Bauträger von besseren Finanzierungsbedingungen, was wiederum den Neubau ankurbelt. Die zentrale Frage bleibt: Wird dies zu einem Boom bei Neubauten führen oder sich primär auf den Markt für Bestandsimmobilien auswirken? Zudem ist es fraglich, ob Banken ihre Kreditvergabekriterien lockern oder weiterhin hohe Eigenkapitalanforderungen stellen.
Warum Bauzinsen aktuell sogar steigen
Trotz der Zinssenkung durch die EZB sind die Bauzinsen in den letzten Wochen sogar gestiegen. Ein Hauptgrund dafür ist das von der CDU geplante Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro, das für den Ausbau der Infrastruktur sowie für den Zivil- und Bevölkerungsschutz vorgesehen ist. Da dieses Sondervermögen nahezu ausschließlich durch Kredite finanziert werden soll, gibt der Staat Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren aus.
Um diese Anleihen für Investoren attraktiv zu machen, musste der Staat die Rendite erhöhen – innerhalb kurzer Zeit stieg diese von 2,5% auf 2,8%. Dies war der stärkste Anstieg der letzten 30 Jahre. Da sich die Bauzinsen eng an den Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen orientieren, haben sie sich ebenfalls nach oben bewegt.
Während der Leitzins ein kurzfristiger Dreimonatszins ist, sind Baufinanzierungen meist auf zehn Jahre festgeschrieben. Dies erklärt, warum Bauzinsen weniger von kurzfristigen Leitzinsentscheidungen beeinflusst werden, sondern sich stärker an den langfristigen Anleihezinsen orientieren.
Die Entwicklung bleibt spannend, denn das Sondervermögen muss noch im Grundgesetz verankert werden, wofür eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag erforderlich ist. Sollte das Vorhaben scheitern, könnte es zu einer Entspannung bei den Bauzinsen kommen.
Wer sich für die genauere Wirkungsbeziehung interessiert, dem empfehlen wir unseren Artikel “Welche Faktoren beeinflussen den Zinssatz für Immobiliendarlehen?”.
Fazit: Jetzt kaufen oder abwarten?
Die Zinssenkung der EZB ist eine bedeutende geldpolitische Entscheidung, aber die Auswirkungen auf Immobilienkredite sind komplex. Wer auf weiter fallende Zinsen spekuliert, könnte von steigenden Immobilienpreisen überrascht werden. Andererseits bleibt die Kreditvergabe der Banken weiterhin restriktiv, und Eigenkapital spielt eine entscheidende Rolle.
Wer eine solide Finanzierung hat und eine passende Immobilie findet, sollte nicht zu lange zögern. Die Bauzinsen könnten zwar leicht sinken, aber steigende Immobilienpreise könnten diesen Vorteil schnell zunichtemachen. Wie sich die Zinsen weiterentwickeln, bleibt abzuwarten – die Marktdynamik bleibt unberechenbar.